Nachtangst, auch bekannt als Pavor Nocturnus, ist ein beunruhigendes, aber meist harmloses Schlafphänomen, das vor allem bei Kleinkindern und Vorschulkindern auftritt. Anders als Albträume, an die sich Kinder erinnern können, ist Nachtangst eine Schlafstörung, die in den Tiefschlafphasen auftritt und bei der das Kind scheinbar wach ist, aber nicht ansprechbar ist und sich später nicht daran erinnert. Für Eltern kann der Anblick ihres Kindes in einem solchen Zustand sehr erschreckend sein. Bei Healbal möchten wir Ihnen helfen, die Symptome der Nachtangst zu erkennen, ihre Ursachen zu verstehen und sanfte, natürliche Wege zu finden, um Ihrem Kind und Ihrer Familie zu ruhigeren Nächten zu verhelfen.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Nachtangst sind nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sie mit der unreifen Entwicklung des kindlichen Nervensystems zusammenhängen. Das Gehirn des Kindes hat Schwierigkeiten, von einer Tiefschlafphase in eine leichtere Schlafphase überzugehen. Mehrere Faktoren können das Auftreten von Nachtangst begünstigen oder auslösen:
- Schlafmangel und Übermüdung: Einer der häufigsten Auslöser. Wenn Kinder nicht genug Schlaf bekommen, sind sie anfälliger für Schlafstörungen.
- Stress und Angst: Emotionale Belastungen, Veränderungen im Alltag (z.B. Schulbeginn, Umzug), oder familiäre Spannungen können eine Rolle spielen.
- Fieber und Krankheiten: Eine erhöhte Körpertemperatur oder allgemeines Unwohlsein kann den Schlafzyklus stören.
- Unregelmäßige Schlafzeiten: Ein inkonsistenter Schlaf-Wach-Rhythmus kann das Risiko erhöhen.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Schlafstörungen verursachen.
- Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass Nachtangst in Familien gehäuft auftreten kann.
- Schlafapnoe: In seltenen Fällen können zugrunde liegende Schlafstörungen wie Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) die Nachtangst verstärken.
Symptome
Nachtangst-Episoden unterscheiden sich deutlich von Albträumen. Es ist wichtig, die charakteristischen Symptome zu kennen, um angemessen reagieren zu können. Typische Anzeichen sind:
- Plötzliches Erwachen mit Schreien oder Weinen: Das Kind sitzt plötzlich aufrecht im Bett, schreit panisch oder weint untröstlich.
- Angstvoller Gesichtsausdruck: Die Augen können weit geöffnet sein, aber das Kind wirkt abwesend und nicht ansprechbar.
- Körperliche Reaktionen: Schwitzen, schnelle Atmung, erhöhter Herzschlag und erweiterte Pupillen sind häufig. Das Kind kann zappeln, um sich schlagen oder sogar aus dem Bett springen.
- Nicht ansprechbar: Versuche, das Kind zu trösten oder zu wecken, sind oft erfolglos. Es scheint Sie nicht zu erkennen oder zu hören.
- Keine Erinnerung: Am nächsten Morgen erinnert sich das Kind in der Regel nicht an den Vorfall.
- Auftreten in den ersten Schlafstunden: Nachtangst tritt meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen auf, während des Tiefschlafs.
Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten: Obwohl Nachtangst meist harmlos ist, sollten Sie einen Kinderarzt konsultieren, wenn die Episoden sehr häufig auftreten, das Kind sich selbst oder andere während der Anfälle verletzt, die Nachtangst mit anderen Verhaltensauffälligkeiten am Tag einhergeht oder Sie den Verdacht auf eine andere zugrunde liegende Schlafstörung (z.B. Schlafapnoe) haben. Ein Arzt kann andere Ursachen ausschließen und gegebenenfalls weitere Schritte empfehlen.
Natürliche Heilmittel
Der Umgang mit Nachtangst erfordert Geduld und eine ruhige, unterstützende Umgebung. Hier sind einige natürliche Ansätze, um Ihrem Kind zu helfen:
- Etablierung einer festen Schlafroutine: Ein regelmäßiger Schlafplan hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Gehen Sie jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie morgens zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende.
- Schlafumgebung optimieren: Sorgen Sie für ein ruhiges, dunkles und kühles Schlafzimmer. Vermeiden Sie Bildschirme (Tablets, Smartphones, Fernseher) mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen.
- Entspannungsrituale vor dem Schlafengehen: Ein warmes Bad, eine sanfte Gute-Nacht-Geschichte, leise Musik oder eine leichte Massage können helfen, das Kind zu entspannen und auf den Schlaf vorzubereiten.
- Ausreichend Schlaf gewährleisten: Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind altersgerecht viel Schlaf bekommt. Übermüdung ist ein Hauptauslöser.
- Stressmanagement am Tag: Reduzieren Sie Stress und Überstimulation, besonders am späten Nachmittag und Abend. Planen Sie ruhige Aktivitäten vor dem Schlafengehen.
- Sicherheit gewährleisten: Während einer Episode der Nachtangst ist es wichtig, das Kind vor Verletzungen zu schützen. Bleiben Sie ruhig, sprechen Sie sanft, aber versuchen Sie nicht, das Kind zu wecken oder festzuhalten, da dies die Angst verstärken könnte. Warten Sie, bis die Episode von selbst abklingt.
Pflanzliche Behandlungen
Einige Kräuter können aufgrund ihrer beruhigenden Eigenschaften dazu beitragen, das Nervensystem zu entspannen und einen ruhigeren Schlaf zu fördern. Es ist jedoch wichtig, vor der Anwendung bei Kindern immer Rücksprache mit einem Kinderarzt oder Apotheker zu halten, insbesondere bei sehr jungen Kindern oder bei bestehenden Erkrankungen.
- Kamille (Matricaria chamomilla): Kamille ist bekannt für ihre beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Ein warmer Kamillentee vor dem Schlafengehen kann entspannend wirken. Alternativ kann ein Kamillebad helfen, das Kind zu beruhigen. Achten Sie auf mögliche Allergien gegen Korbblütler.
- Melisse (Melissa officinalis): Melisse, auch Zitronenmelisse genannt, wirkt angstlösend und beruhigend. Ein Melissentee kann helfen, Nervosität zu reduzieren und den Schlaf zu fördern. Sie ist oft gut verträglich.
- Lavendel (Lavandula angustifolia): Der Duft von Lavendel ist für seine entspannende Wirkung bekannt. Ein paar Tropfen ätherisches Lavendelöl (hochwertig und rein) auf ein Taschentuch neben dem Bett oder in einem Diffusor (nicht direkt auf die Haut bei Kindern!) können eine beruhigende Atmosphäre schaffen. Achten Sie darauf, dass der Raum gut belüftet ist und das Öl nicht direkt eingeatmet wird. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte ätherisches Öl nur sehr sparsam und nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
- Passionsblume (Passiflora incarnata): Die Passionsblume wird traditionell zur Beruhigung und bei Schlafstörungen eingesetzt. Für Kinder sind oft spezielle Präparate in niedriger Dosierung erhältlich. Hier ist eine ärztliche Absprache besonders wichtig, um die richtige Dosierung und Anwendungsform zu finden.
Wichtiger Hinweis: Kräuter sind keine Wundermittel und sollten als Ergänzung zu guten Schlafhygiene-Praktiken gesehen werden. Bei Unsicherheiten bezüglich der Anwendung, Dosierung oder möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ist stets professioneller Rat einzuholen.
Vorbeugung
Die beste Strategie gegen Nachtangst ist Prävention durch die Förderung gesunder Schlafgewohnheiten und die Reduzierung von Stressfaktoren:
- Konsequente Schlafzeiten: Halten Sie einen festen Schlafplan ein, auch am Wochenende, um den natürlichen Biorhythmus des Kindes zu unterstützen.
- Ausreichende Schlafdauer: Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind die empfohlene Menge an Schlaf für sein Alter erhält.
- Entspannende Abendroutine: Führen Sie eine ruhige und entspannende Routine vor dem Schlafengehen ein, die das Kind zur Ruhe kommen lässt.
- Stress reduzieren: Identifizieren und minimieren Sie Stressquellen im Alltag Ihres Kindes. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ängste und Sorgen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von zuckerhaltigen Getränken oder Koffein am Abend können den Schlaf positiv beeinflussen.
- Körperliche Aktivität am Tag: Regelmäßige Bewegung hilft, Energie abzubauen und fördert einen tieferen Schlaf, sollte aber nicht direkt vor dem Schlafengehen stattfinden.
- Schlafumgebung überprüfen: Sorgen Sie für ein sicheres, komfortables und reizarmes Schlafzimmer.










